24.12.2024

Frohe Weihnachten

Vorweihnachtszeit - niemand ist zuhause. Der kleine Junge schleicht ins Elternschlafzimmer. Er hat eine Vermutung, wo die Weihnachtsgeschenke versteckt sind. Die Aufregung lässt ihn die Kühle des Zimmers nicht spüren. An den Weihnachtsmann glaubt er schon lange nicht mehr. Spätestens, seit er mit seinem Bruder vor der Bescherung durchs Schlüsselloch geschaut hatte, weiß er, wer die Geschenke bringt.

Der große Kleiderschrank mit den vielen Türen wird die Geschenke verbergen. Da ist er ganz sicher. Hinter verschiedenen Türen entdeckt er Pakete - verpackte Geschenke, aber auch noch unverpackte. Das noch nicht verpackte große Spielzeugauto mit der Fernsteuerung ist für ihn - gar keine Frage. Er liebt Spielzeugautos, das weiß doch jeder. Jetzt ist die Vorfreude auf die Bescherung noch größer. Schnell alles wieder an seinen Platz räumen, die Schranktüren sorgfältig verschließen und raus aus dem Schlafzimmer. Nicht, dass er noch erwischt wird.

Der kleine Junge war ich, und das große Spielzeugauto bekam mein älterer Bruder Georg. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie groß meine Enttäuschung war. Meine Eltern hatten meine Erwartung enttäuscht. Vermutlich haben sie dafür etwas zurückbekommen - zumindest meine sichtbare Enttäuschung. Es ist zulange her, als dass ich mich an meine „Vergeltung“ noch erinnern könnte. Dass sie was zurückbekommen haben, darüber habe ich keine Frage. Schließlich ist der Opferstandpunkt dafür da, sein Recht auf Rache und Vergeltung ausüben zu können. Darum ist er auch so beliebt. Aber zurück zur Enttäuschung.

Enttäuschungen entstehen durch nicht erfüllte Erwartungen. Kaum eine andere Zeit wie die Weihnachtszeit ist so erfüllt von Erwartungen - an andere und an uns selbst. Wozu wir das tun - also mit welcher dahinter liegenden Absicht - ist sehr vielschichtig. Der erste Schritt, dir selbst auf die Schliche zu kommen, ist, dir bewusst zu machen, welche Erwartungen du hast. Vielleicht ist es deine Absicht, enttäuscht zu werden - von anderen, aber auch von dir selbst. Falls dich diese These jetzt triggert, schau gerne mal genauer hin.

Wir sind nicht dazu da, die Erwartungen anderer zur erfüllen - sie aber auch nicht, um unsere zu erfüllen. Weihnachten ist der ideale Zeitpunkt, dich darin zu üben, keine Erwartungen zu haben. Du wirst eine besondere Erfahrung machen - versprochen!

Übrigens: Du hast keinen Einfluss auf die Erwartungen anderer. Also erwarte auch nicht, dass andere keine Erwartungen haben.

Ich wünsche dir wundervolle Weihnachtstage mit Nähe und Verbundenheit - auch mit dir selbst, falls du Weihnachten allein verbringst.